5. April 2025

Eine Partei zerstört sich

Eigentlich wäre es eine gute Nachricht: Die CSU-Stadtratsfraktion hat mit Peter Neller wieder einen Vorsitzenden. Doch die innerparteilichen Querelen zerstören dieses Ergebnis. (3Min.Lz)

Peter Neller, CSU-Fraktionsvorsitzender

Ein guter Arzt muss nicht auch ein guter Parteivorsitzender sein. Das gilt genauso für einen guten Firmenchef oder eine gute Schulleiterin. Ein  Parteivorsitz lässt sich auch nicht mit einem Vereinsvorsitz vergleichen. Was ein Parteivorsitz im Wesentlichen verlangt, ist Sachkenntnis und Führungsqualität. In einer größeren Partei hat man es mit Mitgliedern zu tun, die entweder selbst etwas werden wollen oder bereits ein Mandat innehaben. Wer schon von Bürger und Bürgerinnen gewählt worden ist, hat ein anderes Selbstbewusstsein und einen untermauerten Anspruch in Sachfragen als ein Parteimitglied, das erst etwas werden will.

Bei der Bamberger CSU können die Auswirkungen mangelnder Führungsqualität studiert werden. Der Parteivorsitzende sieht sich als Chef einer Firma oder einer Fachabteilung mit Alleinstellungsmerkmal – und verhält sich so.

Der Vorsitzende der Bamberger CSU ist Professor und ehem. Chefarzt. Die Bamberger CSU ist aber eine Partei mit klassischen Merkmalen.

In den vergangenen zwei Jahren ist der CSU-Kreisvorsitzende unvorteilhaft aufgefallen, wie keiner seiner Vorgänger. Die WebZ hat mehrmals berichtet >zB. nach dem Rücktritt des CSU-Kreisvorsitzenden vom Amt des Fraktionsvorsitzenden.

Prof. Dr. Gerhard Seitz, CSU-Kreisvorsitzender

Prof. Dr. Seitz wird bis heute noch wegen seiner diversen Auftritte im Bamberger Stadtrat erwähnt. Zuletzt in der Vollsitzung des Stadtrats am 26.2.25.

Nun wurde nach längerem Hin- und Her ein neuer Fraktionsvorsitzender gewählt. Es ist Peter Neller, der die Fraktion schon zu Beginn der Legislaturperiode geführt hat. Er hatte den kurzfristigen Fraktions- und Parteivorsitzenden – wegen kritikwürdiger Handlungen desselben – abgelöst. Nun kam die Retourkutsche: Da Neller nur mit einem relativ schwachen Ergebnis gewählt worden war, sah sich der CSU-Kreisverband veranlasst, das Ergebnis von fünf Ja-Stimmen, zwei Nein- und vier ungültigen Stimmen postwendend zu veröffentlichen. Öffentlich wäre es wohl ohnehin geworden, aber für den Kenner des Geschehens lässt sich die klammheimliche Freude über das Geschick des Parteikollegen herauslesen.

Für das eigene Profilierungsbedürfnis lässt man schon mal einen Parteikollegen über die Klinge springen und der eigenen Partei Schaden zufügen.

Weil es so in Bambergs ehemals tragender Partei nicht weitergehen darf, soll ein guter Rat erlaubt sein: Diese Gemengelage lässt sich nur durch eine umfassende Neusortierung auflösen. Die Vorstände von Kreispartei und Stadtratsfraktion sollten dazu komplett zurücktreten, um dann neu aufgestellt zu werden. Gegebenenfalls kann ein/e Moderator/in (zB. aus dem Landkreis) helfen. 

Viel Zeit bleibt nicht mehr – das notwendige Arbeitsklima entsteht nicht von alleine.

Geschrieben: -mdw; veröffentlicht: 11.03.25; Bilder v. webzet (Titelbild ist i.d.R. Symbolfoto); BildNw:

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8 Gedanken zu “Eine Partei zerstört sich

  1. Nachdem das Leidthema mit Parteien nichts bringt, könnten wir es ja mal mit einer Prise Absolutismus probieren, etwas Hegemonie und dazu eine gehörige Portion gesunder Menschenverstand.

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    1. Haaaaa, Danke, hab in aller Frühe jetzt noch mehr lachen müssen als ohnehin jeden Morgen. Versuchen Sie es mal, es ist überraschend. Die Anmeldung funktioniert online ganz gut, das zentral gesteuerte Mitgliedermanagement der CSU ist auch ok, wenngleich behäbig in der Reaktionszeit. Dann haben Sie ein Buch und eine Plastikkarte und dann… dann… passiert nichts. Sie werden konsequent und dauerhaft ignoriert und erst nach Jahren mit kurzem Vorlauf zu einer Ortsvereinsversammlung zu unmöglicher Zeit an einen Ort eingeladen, der im Grunde nur Platz für den Vorstand und ein paar Aktenordner hat. Die Einladung ist zudem noch schief kopiert, Ihr Name ist und die Postleitzahl sind falsch geschrieben. Alles kein Witz!

      Da werden Sie bei jedem exklusiven Geheimbund eher integriert als in der Bamberger CSU. (Ok, ich kann nicht über alle OV urteilen, aber ich extrapoliere mal keck.)

      Ich habe mit denen keinerlei Mitleid mehr, die haben offensichtlich an der Selbstversenkung. Klar, die sind alle ehrenamtlich, aber entweder man macht es oder lässt es. Ganz ehrlich, ohne vollkommene Neubewertung und gezielter Weiterentwicklung der Führung und Funktionäre und ggf. deren Austausch wird das nichts.

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