E D I T O R I A L — Dirk Eicken Öko und gesund? Letzte Woche las ich in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel über Jodmangel. Mal wieder. Das Thema ist ja nicht gerade neu. Auch bei uns nicht. Wir be
E D I T O R I A L — Dirk Eicken
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Öko und gesund?Letzte Woche las ich in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel über Jodmangel. Mal wieder. Das Thema ist ja nicht gerade neu. Auch bei uns nicht. Wir berichteten früher schon einmal im Newsletter darüber. Bei uns ist das Thema Teil einer kleinen Kampagne, die wir letztes Jahr gestartet hatten und in der wir nicht müde werden zu erklären, wie einfach die Lösung des Problems aussehen kann. Auch in der Süddeutschen Zeitung gab es bereits vor zehn Jahren einen Artikel dazu - doch das Problem ist noch viel viel älter. Hartnäckig hält es sich - immer noch.
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Der Zeitungsartikel gibt eine schöne Zusammenfassung der heutigen Situation. Wir Mitteleuropäerinnen leiden fast alle an Jodunterversorgung, nicht so dramatisch wie bis in die 1960er Jahre mit extrem vergrößerten Kehlköpfen, aber dennoch wieder zunehmend. Die Gefahr besteht, dass die jüngere Generation erneut mit Schilddrüsenüber oder -unterfunktion heranwächst, weil in unserer Nahrung zu wenig Jod enthalten ist. Jod kann der Körper nicht selbst herstellen, benötigt es aber. Die Schilddrüse, die für den Energie- und Hormonstoffwechsel des Menschen verantwortlich ist, funktioniert sowieso nur mit Jod, das wir zu uns nehmen. Das Problem verschärft sich ausgerechnet dann, wenn man umweltbewußt unterwegs ist, und noch mehr bei Menschen, die vegetarisch oder vegan sich ernähren. Weil eine vegetarische Ernährungsweise nicht auf Fisch als guten Jodlieferanten zurückgreifen kann. Weil die vegane Hafermilch im Gegensatz zur Kuhmilch noch weniger Jod enthält.
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Doch selbst bei konventioneller Ernährung reicht dieses Jod im Fleisch und in der Milch bei weitem nicht aus. Um mal eine Größenvorstellung zu geben: Damit die erforderliche Menge an Jod, die unser Körper braucht, aufgenommen wird, müssten wir täglich eine Fischmahlzeit zu uns nehmen. - Das allerdings ist schon allein deshalb irrsinnig, weil die Überfischung der Weltmeere und der katastrophale Zustand der meisten Fischzuchtanlagen es verbieten. Und überhaupt, wer wollte schon jeden Tag Fisch essen? Aus anderen, ebenfalls gesundtheitlichen Gründen wird ja angeraten, sich möglichst vielfältig zu ernähren.
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Der Artikel in der süddeutschen Zeitung kommt zu dem Schluß, dass nur eine Anreicherung der Lebensmittel mit Jod und vor allem jodiertes Salz Abhilfe schaffen könnte. Stellt aber zugleich fest, dass die Akzeptanz zu gering ist, und die Lebenmittelindustrie bei weiterverarbeiteten Produkten wie Wurst, Backwaren oder Fertiggerichten aus Kostengründen ebenfalls kein jodiertes Salz verwendet. Jod wird als Nebenprodukt im Nitrat-Bergbau und bei der Gas- und Ölförderung durch ein aufwendiges chemisches Verfahren gewonnen. Dieses anorganische Jod würde zwar helfen, aber besonders schön ist die Vorstellung, woher es kommt, gerade nicht. So endet der Artikel konsterniert und läßt das Problem irgendwie im Raum stehen ohne Lösungswege zu skizzieren.
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Weil das so ist, und nicht erst heute sondern schon lange, gibt es unsere kleine Algen-Kampagne. Warum, fragen wir, schaut niemand nach Asien, warum schaut niemand nach Korea oder Japan, wo es keine Schilddrüsendysfunktionen gibt? In Korea und Japan ist Seaweed täglich ein fester Bestandteil des Essens, Schwangeren reicht man sogar eine spezielle Algensuppe, ebenfalls täglich. Weil Algen reichlich organische(!) Jodverbindungen enthalten. Dabei ist Seaweed nicht das Pülverchen zum Abschmecken von Gerichten, sondern es ist selbst das Gericht: als Salat, als Pancake, als Suppe oder man rollt etwas in Seaweed ein (Gimbab bzw. Sushi). Unendlich viele Gerichte ganz unterschiedlicher Algensorten, wunderbar schmackhaft und abwechslungsreich.
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Aber, fragt der Europäer, ist das nicht viel zuviel Jod? Stimmt, nach deutschen Richtlinien, ja. In Asien sieht man die Sache sehr gelassen: was der Körper nicht verarbeiten kann, scheidet er sowieso wieder aus. Wenn das nicht so wäre, müssten ja alle Koreanerinnen (mich eingeschlossen) krank sein. Die Probleme, Jod nicht richtig aufnehmen zu können, fangen dann an, wenn die Schilddrüse nicht ordentlich funktioniert. Ihre Funktionsfähigkeit verliert sie, wenn sie nicht mit Jod versorgt wird. Ein Teufelskreis. Konzentrationsschwäche, Müdigkeit, Depression, Entwicklungsstörungen, Verdauungsprobleme machen sich erst nach längerer Zeit bemerktbar und führen zu noch gravierenderen Erkrankungen - man mag es gar nicht nachlesen. Davor schützen kann eine regelmäßige Jodversorgung durch Seaweed.* *) bei Schildrüsenerkrankung bitte unbedingt vor dem Verzehr einen Arzt zu Rate ziehen.
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Der Zeitungsartikel hat diesen schönen schmackhaften Ausblick leider nicht gegeben. Er hat damit sogar einen viel wichtigeren Zusammenhang verpaßt zu erwähnen: den außerordentlich großen ökologischen Nutzen von Seaweed. Seaweed kann ein Vielfaches mehr an Kohlendioxid aufnehmen als Pflanzen und Bäume an Land und damit einen essentiellen Beitrag zur Klimaregulierung leisten. In Korea laufen sogar Versuche, Seaweed als biologisch abbaubarer Ersatz für Plastik weiterzuverarbeiten. Manche Algenarten sind ein Indikator für saubere Meere, sonst könnten sie gar nicht überleben. Seaweed benötigt außer Sonnenlicht und Kohlendioxid aus der Luft keinerlei Düngemittel. Und was ist mit der Anreicherung von Schwermetallen im Seaweed bei verunreinigten Meeren? Nun, es ist wie bei jedem Lebensmittel: man muss wissen, woher es kommt. Viele Menschen in Korea und Japan sind da genauso wählerisch wie wir hier in Europa.
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Es ist so einfach: Mit Seaweed liefert die Natur einen geradezu idealen Partner für einen fleischreduzierten, vegetarischen oder veganen und ökologisch sinnvollen Speiseplan. Deshalb wird unsere Seaweedkampagne auch im nächsten Jahr fortgesetzt. Für alle, die sich weitergehend mit dem Thema beschäftigen möchten, haben wir eine Seite mit vielen Links hier auf unserer Homepage eingerichtet. Ja, und aktuell liegt ein Probepaket mit (europäischen) Algen aus Norwegen bei uns in der Küche. Die Aufgabe lautet: sie schmackhaft machen. Hierzulande. Für Euch.
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Das NaNum wünscht Euch einen wunderbaren Start ins neue Jahr!
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