WandererWir beide sind Wanderer zwischen Kunst und Essen. In der zeitgenössischen Kunst ist zu beobachten, dass sie immer öfter dem Thema Essen sich zuwendet, meist als einem basalen spirituellen Ritual, auf das durch Kunstwerke, Objekte und Filmsequenzen aufmerksam gemacht wird, oder in Events, in denen das Gemeinschaftliche zum Tragen kommt. Wir verfolgen diese künstlerischen Experimente mit Interesse und freuen uns, dass sich das Verhältnis zum Essen weitet und nicht beim bloßen Essen hängen bleibt. Kunst provoziert einen anderen Blick auf die Mahlzeit. Unsere eigene Erfahrung mit Kunst: Sie packt einen, ganz körperlich, man wird abgeholt mit all seinen Fragen und Zweifeln und Ängsten, fühlt sich irre berührt. Das war für Jinok so: beim Gesang, und ebenso beim Keramikmachen. Und schließlich auch beim Kochen. Wenn ich beobachte, wie Jinok unsere Gerichte entwickelt, möchte sie genau diese Erfahrung vermitteln. Unwichtig ist ihr das handwerkliche Geschick, oder die visuelle Raffinesse, es soll möglichst einfach, klar und genau sein. Soll die Wunder der Aromen – körperlich - spürbar, unsere Verbundenheit mit der Natur kost-bar machen. Natur schmecken, Welt schmecken, damit wir (endlich) Lust bekommen beides zu bewahren und zu schützen. Keramik und Essen. Aus einer Hand. Die Keramik bringt zum Ausdruck, was eine Mahlzeit bedeuten kann. Das Essen hat die gleiche Handschrift. Vielleicht ist es für manche Menschen zu schräg und ausgefallen, für Andere vielleicht zu ernst und prätentiös, für Jinok ist beides ihr Leben, ihre Erfahrung und Haltung, ihre Energie, die sie geben möchte. Wie früher im Gesang. Mit dieser, ihrer Geschichte ist Jinok auf das Oxford Food Symposium eingeladen worden. Als Mentorin für vier junge angehende Köchinnen und Köche. Als Taktgeberin, über den Tellerrand der Küchenuntensilien hinauszuschauen, als vorgelebtes Beispiel, Kochen in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Grenzen niederzureißen, Konventionen in Frage zu stellen. So entstehen andere Geschmackserlebnisse, andere Mahlzeiten. Für den Gourmetkoch alter Schule möglicherweise etwas zu spröde oder direkt, für das Leben aber unverzichtbar.
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