Das Fest zum “vorsichtigen noch ungewissen Betreten des nächsten Jahres” („Seol Lal“) ist in Korea die wichtigste Feierlichkeit. Man tritt ein in das nächste Tierkreiszeichen. Ein Tier beschreibt ein Jahr lang das Jahr mit anderen Eigenschaften. Diese Mal verlassen wir das Drachenjahr und betreten das Jahr der Schlange. Die vielen schlimmen Verlautbarungen und unheilvollen Vorahnungen, die zurzeit in den Medien zu lesen sind: … man wird sehen, ob die Schlange sie geschickt einwickelt oder uns selbst zu verhängnisvoller Versuchung verführt. Doch Seol Lal heißt auch, dass alle Menschen ein Jahr älter werden. Älterwerden ist keine mathematisch-numerische Angelegenheit, kein individueller Jahresrythmus seit dem Tag der Geburt, sondern der gemeinsame Eintritt in das Leben eines anderen Jahreslaufs. Älterwerden bedeutet, wir werden anders leben und um ein Tierkreisjahr reicher.
In Korea ist das Neujahrsfest eine riesengroße Angelegenheit. Man gedenkt der Ahnen der Familie, gedenkt der kosmischen Kräfte, erinnert Balance und Harmonie, besinnt sich auf die basalen Wahrheiten. Das ist mit rituellen Abläufen verbunden und mit gemeinsamen Speisen. Zum Neujahrsmahl gehören bestimmte Beilagen, die in der buddhistischen Tradition mit Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, mit Erde, Feuer und Wasser und mit den Himmelsrichtungen verbunden sind. Dazu schlürft man eine besondere Suppe. Sie ist herrlich rund und herzerwärmend, ist vollgepackt mit koreanischen Maultaschen (Mandu) und Reiskuchen (Tteok). Und nun kommts: aufgepasst! Es heißt, nur wer diese üppige, wunderbar sanfte Suppe gegessen hat, wird ein Jahr älter und tritt nur dann in das neue Jahr ein.
Was bedeutet das?
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