JaMit diesem Newsletter begannen wir, als die Covid Pandemie uns in den Lockdown zwang. Damit verbunden der sehnliche Wunsch, auch in einer Zeit des Kontaktvermeidens den Kontakt zu euch, unseren Gästen nicht abbrechen zu lassen. Einen ganz kleinen Ersatz zu finden für das, was im Gastraum an Begegnungen und Gesprächen, ja eben nur offline beim Anschauen und Anlächeln geschieht. Nach dem Lockdown führten wir den Newsletter weiter - und schreiben ihn noch immer, wissend um zahlreiche treue Leserinnen (vielen vielen Dank!). Inzwischen ist er ein kleiner Teil von dem geworden, wie wir öffentlich wahrgenommen werden. Wobei natürlich! bitte nicht verwechseln! weiterhin das Wichtigste vor Ort am Tisch im Gastraum auf Jinok’s spröden Schalen erzählt wird und noch wichtiger: zu kosten ist. So kommt irgendwie alles zusammen, zu kosten heißt für Jinok, zurückzugeben. Über 40 bereichernde Jahre in Deutschland - mit dem NaNum möchte sie davon etwas zurückgeben. Und der Lockdown? So furchtbar die Zeit war, war er für uns auch eine große Entdeckung. Uneigennützig nahmen die meisten alle Einschränkungen auf sich, hatten verstanden, dass niemand eine Allerweltslösung aus dem Hut zaubern kann, womit sie aber all denen, die schwach, krank, gebrechlich oder aus anderen Gründen durch das Virus gefährdet waren, Schutz gaben. Dieser Zusammenhalt war etwas ganz Besonderes. Zeigte: unsere Gesellschaft ist, mit Ausnahme einer Radikalisierung an den Rändern, gar nicht so egozentrisch und zerstritten. Ist ein funktionierendes solidarisches Organ.
Nach Corona haben sich dann die Katastrophen vielfach überschlagen. Der „Normalzustand“ kehrte nicht zurück. Bisher. Allerdings hat unser Zustand immer noch ein Niveau, das viele Menschen auf der Welt gerne überhaupt erst einmal erreichen würden. Was mir bei all diesen Krisen mehr Bange macht als wirtschaftliche Einbußen ist die Inflation von „Meinungen“. Jeder und Jede hat etwas zu meinen, ja die Ansicht mag richtig und vernünftig, wirr oder falsch oder verlogen sein, wie einseitig, verkürzt und manipulativ oder wie fundiert und weitsichtig die Rede auch ausfällt, alle diese Meinungen prallen aufeinander und kommen nicht zusammen. Weil es Meinungen sind. Was wir gerade im Stakkato des Twitterns und Talkens verlernen: die Klappe zu halten. Aufeinander zugehen; zusammenkommen, um zu geben.
Geben. Einen lieben Menschen zum Konzert oder ins Theater einladen, mit ihm ausgehen, ihm kostbare Zeit schenken, beisammen sein (ohne Meinungs-Diskurse), Anteilnahme zeigen und Zuspruch geben, ja einfach da sein für sie oder ihn. Vielleicht auch: Kompromisse schenken. Das alles wird im Moment nicht die Katastrophen lösen, aber wir alle geben damit etwas ungeheuer Wichtiges nicht auf: Wärme. Wenn wir das hinkriegen, uns dieser Fähigkeit ermächtigen, wird unsere Wärme in absehbarer Zukunft auch die vielen vielen Traumatisierten erreichen. Die sie so bitter brauchen!
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