Zum Wohl! In den Weihnachtsferien haben wir geschlossen, also ab Heiligabend bis zur zweiten Januarwoche. Am 11. Januar gehts dann wieder los. In den Ferien wird sich einiges ändern im Gastraum und auf der Menükarte, doch darüber erzählen wir dann im neuen Jahr.
Gelegenheit, heute mal nicht über das NaNum zu schreiben, nicht direkt, vielleicht über drei Ecken hats dann doch wieder mit dem NaNum zu tun. Korea ist, historisch betrachtet, kein christliches Land - die Missionare kamen relativ spät - sondern kulturell buddhistisch und insbesondere konfuzianisch geprägt. Der wichtigste Feiertag liegt nicht am Heiligen Abend, sondern heißt Seollal und ist das Neujahrsfest am ersten Neumond (dieses Mal am 22. Januar unseres Kalendariums). Dann wird der Ahnen und der Älteren in der Familie gedacht, von denen die Jüngeren den Segen erhalten. Der Heilige Abend, das Erinnern der Geburt eines Gottessohnes, ist mit westlicher Expansion nach Korea importiert und brachte eine andere Kultur in das konfuzianische Land. Doch vielleicht gibt es eine Lesart des Heiligen Abends, die in beiden Kulturen stimmig klingt. Die Story, dass jemand aus der göttlichen Sphäre zu den Menschen gesandt wurde um unter ihnen zu wirken, könnte auch ein Sinnbild dafür sein, dass sich eine neue Idee in die Menschen eingepflanzt hat. Der Beginn von einer Entwicklungsfähigkeit des menschlichen Bewußtseins. Dass nicht alles für immer und ewig nach göttlichen Gesetzen abläuft, sondern wir kleine Menschen langsam mal eine Verantwortung für das zu tragen haben, was wir für das Große und Ganze tun. Dass in uns eine Geräumigkeit wächst und gedeiht, für gegenseitige Vereinbarungen zur Friedfertigkeit, für gleiche Rechte und Pflichten Aller, für allseitige Achtung und die Wahrung allen Lebens. Sowohl die östliche Philosophie des stufenweisen Erlangens der nächst höheren geistigen Ebene: der inneren Arbeit einen Zustand der Harmonie zu finden (der Willenlosigkeit, der Leere), als auch der westliche Impuls zu einer Befriedung des gemeinschaftlichen Lebens durch gegenseitige Achtung: in dieser Lesart, als Bewußtwerdung (unabhängig vom religiösen Glauben), könnte der Heilige Abend ein Großer Abend sein, ein Neues Jahr, die Geburt einer Epoche der stufenweisen Übernahme von Verantwortung. Könnte. Zum Wohl!
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