das WandernFür ihre erste große Einzelausstellung mit Keramiken wählte Jinok den Titel “das Wandern”, in Anlehnung an den Liederzyklus der Winterreise von Schubert. “Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh' ich wieder aus…”, so beginnt der Zyklus.*) Als Jinok 1978 nach Deutschland kam, mit einem DAAD Stipendium - zwei Jahre bevor wir uns kennenlernten - hatte sie ein Land zurückgelassen, das ihr damals zu eng und zuwenig weltoffen vorkam. Hier angekommen, wollte sie nicht nur europäische klassische Musik, sondern die Kultur hinter der Musik verstehen lernen, die Menschen, das Leben, erfahren wie die westliche Welt emotional tickt. Sie hat sich nicht den koreanischen Communities in Berlin - wie viele andere - angeschlossen, nein, sie wollte die Fremde entdecken, und nicht in einer folkloristischen Parallelwelt leben. Korea fühlte sich damals für sie nicht mehr passend an, Deutschland konnte es noch nicht sein. Aber das Lernen und Entdecken: war ihre Heimat. Wenn heute Jinok koreanisch kocht, gehört diese Vorgeschichte dazu. Sie kocht mit der Sensorik, die ihre Mutter ihr beigebracht hat. Mit den Gerichten erinnert sie sich an die prägenden jungen Jahre. Doch: sie hat den Blick von außen auf ihr Geburtsland gewonnen. Forscht nach alten Methoden, nach Rezepten und nach Geschichten hinter den Speisen, aber sieht sie mit anderen Augen und verdichtet sie im neuen Gewand. Mit dem Lied vom Leiermann*) verabschiedet Schubert den Zuhörer nach Hause: “Soll ich mit dir geh’n? Willst du zu meinen Liedern deine Leier dreh’n?” Betörend bricht das Lied nach dem Fragezeichen ab - und gibt dem Wandern eine Heimat. Aus bloßer Gegenwart wird im Lied ein Leben angefüllt mit wundersamer Kultur. Unser Lied heißt - ganz unbescheiden: NaNum.
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