Alles und mehrWir könnten sooo viele Geschichten erzählen von Erlebnissen mit unseren Gästen - wenn sie überhaupt erzählbar wären. Wenn die sprachlosen Augen, die sich vor Glück mit Tränen füllen, wenn die Überraschungsblicke von Gästen, die anschließend gar nicht mehr fort wollen, weil sie immer noch mehr erfahren möchten, wenn die warmen Arme, die irgendwann gar nicht mehr anders können als sich zum warmherzigen Umarmen auszubreiten, wenn das schnippische, kecke, und schlagfertige Lachen und das darauf folgende hemmungslose Gelächter, ja die ganze Heiterkeit und Freude im Gastraum darstellbar wären, beschreibbar wären und nicht sogleich abrutschten in selbstgefälligen Kitsch – ja dann, dann könnte ich davon beide Hände voll erzählen. So aber verkneife ich es mir und denke, es sind eben gerade schon zu viele solcher Zeilen geworden. Gestern habe ich einem Freund beim Texten für seine Rede beigestanden, die er auf einer der aktuellen Demonstrationen gegen rechtsradikalen Hass halten wird, eine so schwere, schwierige und dringende Aufgabe, ob ich helfen konnte weiß ich nicht. Es sind diese zwei Welten, die beide zeitgleich – wie soll man das verstehen? - da sind, die eine, die nur Hass und Abgrenzung und Verleumdung und Angst säen kann, und die andere, die mutig, offen, inspirierend vielgestaltig nach vorne schaut, im Geiste einer für alle lebenswerten Welt. Ja natürlich wollen wir das Vielgestaltige! Wollen eine freie und faire Welt, in unserem kleinen Rahmen versuchen wir das Beste, wollen daran mitwirken, mit ungebrochenem Elan - - im Verhältnis dazu, neben dieser Aufgabe sehen andere Dinge gleich viel unwichtiger aus, steigende Kosten, gestiegene Mehrwertsteuer (eine, die falsche Signale setzt), Sorgen wirtschaftlich zu überstehen in der aktuellen miesen Stimmungslage, alles nachrangig!
Und dann denke ich so bei mir, nun es sind doch gerade diese unerzählbaren Erlebnisse, die eigentlich erzählt werden müssten, die so lebensnotwendig sind und das Schmierfett geben untereinander, die ein gemeinsames Band flechten, damit die Gegenwart erträglich ist, damit wir uns in die Augen schauen können, damit Hass und Lüge keine Chance haben....ich breche hier ab, es ist wirklich nicht erzählbar.
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