FreiheitVor einiger Zeit hatten wir ein Erlebnis der Sonderklasse. Wir probierten einen neuen Wein. Und testeten, wie der Wein auf verschiedene Gerichte reagiert. Und dann, bei einem Gericht: hat es uns umgehauen. Das ist natürlich Blödsinn, wir stehen immer noch aufrecht und sind immer noch bei Sinnen. Aber in dem Moment waren wir voll platt. Der Wein war, wie bei uns immer, ein Naturwein, von einem Winzer, der viel experimentiert und sich nicht um Konventionen schert, und der wie viele Naturweinwinzer nicht auf maximalen Ertrag und nicht mit Zuschlagstoffen und stattdessen mit Spontanvergärung arbeitet, der also mit hohem Risiko etwas macht, was auch schiefgehen kann. Etwas, das mit herkömmlichen Weinen sowieso nicht vergleichbar ist. Dazu aßen wir ein Gericht mit selbst hergestellten Fermentationen, und wie so oft war das Fermentieren die Brücke zwischen Gericht und Wein. Es fing mit ein wenig Wein an, interessant und farbig, entwickelte sich der Wein im Mundraum, daraufhin aßen wir und während der Geschmack des Gerichts noch am Gaumen lag, probierten wir den Wein ein zweites Mal, gar nicht viel - und, naja, und plötzlich explodierten die Aromen im Mund. Lange hielt das an und nahm uns langsam mit in Regionen am Fuße des Weinstocks, zu den Kräutern drumherum und zu den unsichtbaren Wurzeln, die in die Tiefe des Erdreichs vordringen. Angestossen von Speise und Wein, öffnete sich ein Türchen, von dort hallte ein starker, unmissverständlicher Ruf herüber, dass wir kleine Menschen hier an etwas Größerem teilhaben. Dabei aber nicht die Hauptperson sind.
Diese bodenständige, herzlich wenig esoterische Erfahrung sagte: Leute, der wirkliche Reichtum liegt vor Euren Füßen und nicht auf dem Konto. Der wahrhaft einzige Sieg ist nicht geopolitisch, und nicht technologisch zu erringen, sondern nur im Herzen. In der Freiheit unseres Geistes, da reinzuhorchen, reinzuschmecken. Sich zurückzunehmen.
Es ist nur ein kleines Beispiel, es gibt überall solche Momente, die Erfahrung aber, sie ist fundamental. Was würde nicht alles zum Guten gewendet, wenn Alle in diesem Geiste leben könnten – und dürften!
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