drei BäumeManchmal, wenn das Restaurant geschlossen ist, sitze ich dort im leeren Raum, schaue durchs Fenster auf den postmodernen Platz mit den drei Bäumen, die vom Landschaftsplaner dort hindirigiert wurden, und frage mich: Was um alles in der Welt machen wir im NaNum denn eigentlich? Was ist das NaNum? Ungefähr jeden Monat schreibe ich für Euch diesen Newsletter und erzähle erzähle erzähle was uns so alles bewegt mit dem NaNum, aber: worüber schreibe ich denn da eigentlich? Über ein Restaurant? „Bullshit!“ möchte ich dann antworten, Jinok wirds Euch schon zeigen! Mit den Gerichten, mit der Keramik und ihren Plauderrunden durch den Gastraum. That's all. Alles was nicht am Abend im Gastraum rüberkommt, ist eh vergebens und braucht erst gar nicht erwähnt zu werden. Auch ihr nicht, liebe Bäume. - Gemach gemach, flüstert mir eine Stimme ins Ohr, vielleicht ist das geschriebene Wort ja doch zu etwas gut. Also gehts weiter mit der Frage: Was ist das NaNum eigentlich? Ein Restaurant? So’n Ding, wo man reinspaziert, um nicht selber zu kochen, um satt zu werden, am besten gemütlich bei Kerze und Alkohol. Oder, pardon, etwas gehobener, wo man hingeht, um mal was Feines zu speisen, was man zuhause nicht hinbekäme, und es mal so richtig krachen lässt, mit edlen Tropfen und Feinschmeckermimik. Sich einen schönen Abend macht. Ist es das? Oder ist es die bürgerliche Lehranstalt? Wo einem die Bedeutung von Lebensmitteln nahegebracht wird, ihre feinsten Aromen, ganz didaktisch zerlegt oder hochaufwendig zusammengefügt - ja ganz aktuell - wo über Nachhaltiges, Handwerkliches, Lokales, Kleingewerbliches und einen Zusammenschluss von Stadt und Land, über die Tücken der Klimaveränderung bei unserer Ernährung undsoweiter undsofort - aufgeklärt wird? Oder erleben unsere Gäste eine anthropologische Führung, zu einem fernen Land, zu den versteckten und noch zu bergenden Schätzen dieses Landes, zu den sie begleitenden Geschichten, zu ihrer Metamorphose an einen europäischen Ort in Berlin, und den zu Chancen, die jene fernen Erfahrungen den Menschen hier in Europa bieten können? Ist es das? Oder ist das NaNum ein KunstOrt? Ein Kunstwerk, in dem existientielle Fragen des Menschsein - warum wir Menschen und die Bäume überhaupt hier sind auf der Erde - verhandelt werden. Das Restaurant und das Keramikatelier überhöhend, bis den Gästen der Bissen im Halse stecken bleibt? - Ja klar, das ist es! Die Bissen sind so aromatisch, dass sie den Gaumen beinahe überfordern. Aber nur beinahe. Am Ende ist es doch irgendwie Jinok. Sie, die 70 Jahre Leben sammelte, mit ihrer Energie und ihrem Temperament und mit großer, sehr großer Gelassenheit gelingt es, ihre Seele sprechen zu lassen. Die Seele - dasjenige „Organ“, das meist zugestellt ist mit vielzuvielen Infos, und fürchterlich gehemmt durch ein zwanghaftes Wollen - im NaNum zu öffnen. Ja, ich glaube diese Botschaft ist es, vor allem anderen.
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