Projekt

H₂ D – Eine Wasserstoffwirtschaft für Deutschland

Hier entsteht sukzessive eine technologiezentrierte Roadmap für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Deutschland. Initial fokussieren wir dabei die Elektrolyse als zentrale Technologie zur Synthese von grünem Wasserstoff und damit der essentiellen Voraussetzung für die Vollendung der Energiewende, dem Wechsel zu einem nachhaltigen Energie- und Wirtschaftssystem und damit dem Erreichen der Klimaziele.

Öffentliche Strategien

Wasserstoffstrategien der deutschen Bundesländer – ein Überblick

Mit der Veröffentlichung der Nationalen Wasserstoffstrategie im Juni 2020 hat (grüner) Wasserstoff eine zentrale Bedeutung im Kontext der Energiewende und der Verringerung der CO2-Emissionen erhalten. Der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energieträger erfordert neben wissenschaftlichen und technologischen Lösungen zu Erzeugung, Transport und Nutzung des grünen Wasserstoffs Ansätze zur Entwicklung neuer Netzwerke und Wertschöpfungszusammenhänge, neuer regulatorischer Rahmenbedingungen und Qualifikationsprofile, neue Steuerungsstrukturen und Anschubfinanzierungen. Zusätzlich zur Bundesebene engagieren sich die Bundesländer in der Strategieentwicklung, um ihre spezifischen Stärken und Potenziale für den Auf- und Ausbau der Wasserstoffwirtschaft in ihren Regionen zu nutzen und umsetzungsrelevante Rahmenbedingungen zu schaffen.

Unterschiedliche Aktivitäten finden gegenwärtig in den Bundesländern statt, die von Projekten und Initiativen über (Potenzial- oder Machbarkeits-) Studien zu Strategien und Roadmaps zum Aufbau einer (regionalen) Wasserstoffwirtschaft reichen. Abbildung 1 gibt einen Überblick über das bestehende Spektrum (Stand: November 2021), das anhand von umfangreichen Online-Recherchen und Dokumentanalysen ermittelt wurde. Zusätzlich zu länderspezifischen Strategie- und Roadmap-Prozessen bzw. entsprechenden vorbereitenden Untersuchungen sind auch bundeslandübergreifende Aktivitäten zu beobachten. Beispiele sind das auf Strukturwandel und Kohleausstieg in Ostdeutschland ausgerichtete Eckpunktepapier der ostdeutschen Kohleländer Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen zur Entwicklung einer regionalen Wasserstoffwirtschaft oder die Norddeutsche Wasserstoffstrategie (Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen), die die spezifischen Alleinstellungsmerkmale und Standortfaktoren Norddeutschlands adressiert. Zusätzlich zur Norddeutschen Wasserstoffstrategie hat Schleswig-Holstein ein landesspezifisches Strategiedokument und einen entsprechenden Handlungsrahmen für grünen Wasserstoff erstellt. In Brandenburg, Hessen, Sachsen-Anhalt, Thüringen sowie im Saarland sind im Jahr 2021 landesspezifische Wasserstoffstrategien publiziert worden, und auch für die Sächsische Wasserstoffstrategie ist dies vorgesehen. Die drei bevölkerungsreichsten Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen haben ihre Wasserstoff-Roadmaps bzw. -strategien 2020 fertiggestellt. Rheinland-Pfalz hat im Sommer 2021 eine Wasserstoffstudie mit Roadmap in Auftrag gegeben, die eine landesspezifische Wasserstoffstrategie einschließlich konkreter Maßnahmen zum Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft entwickeln wird.

Abbildung 1:	Überblick der Wasserstoffstrategien in Deutschland. Quelle: Eigene Darstellung basierend auf Dokumentenanalysen. Karte erstellt mit ArcMap 10.4, Geodaten: © GeoBasis-DE / BKG (2020).
Abbildung 1: Überblick der Wasserstoffstrategien in Deutschland. Quelle: Eigene Darstellung basierend auf Dokumentenanalysen. Karte erstellt mit ArcMap 10.4, Geodaten: © GeoBasis-DE / BKG (2020).

Die vorliegenden Dokumente adressieren sowohl bestehende Kapazitäten, Kompetenzen und Infrastrukturen in Forschung und (Technologie-) Entwicklung, Speicherung und Transport als auch potenzielle Anwendungen und bestehende Herausforderungen. Weitere Schwerpunkte liegen in der Erzeugung regenerativer Energien sowie in der Wasserstoffelektrolyse und in der Sektorenkopplung. Auch bestehende Netzwerke, Verbünde, Cluster und Reallabore stellen spezifische Standortvorteile dar. Basierend auf den landesspezifischen Ist-Situationen können zukunftsorientierte Schwerpunkte entwickelt und dargestellt werden. Diese werden bereits in zentralen Projektvorhaben – beispielsweise in Reallaboren, Forschungs- und Kooperationsvorhaben (auch bundeslandübergreifend und auf europäischer Ebene) sowie in anwendungsnahen Verbundprojekten – realisiert; weitere Vorhaben sind in Planung. Das Spektrum der Anwendungen reicht von Verkehr und Mobilität (z. B. Schienen- und Lastverkehr) über Industrie (z. B. Kraftwerke, Chemie, Stahl) bis hin zur Wärmeerzeugung.

Aus der Dokumenten- und Strategieanalyse lassen sich unterschiedliche Schwerpunkte im Hinblick auf die Wasserstoffelektrolyse ableiten. Generell liegt der Fokus auf der technologischen Weiterentwicklung insbesondere im Hinblick auf Serientauglichkeit, Skalierung und Markthochlauf (z. B. Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen) sowie Pilotierung und Betrieb, so beispielsweise im Testfeld für elektrische Eigenschaften (Bremen), im Heizkraftwerk Marzahn (Berlin), bei der Salzgitter AG und Audi im Emsland (Niedersachsen), in Hamburg oder in einem Stadtquartier in Schleswig-Holstein. In Nordrhein-Westfalen ist der Aufbau von Elektrolyseleistung im Rheinischen Revier und im Ruhrgebiet, in Saarland in der Völklinger Hütte geplant. Bereits gegenwärtig bestehen umfangreiche Kompetenzen in der Produktion von Elektrolyseuren, beispielsweise in Sachsen, während andere Bundesländer günstige Ansiedlungsbedingungen auf der Basis bestehender Infrastrukturen und/oder der Verfügbarkeit erneuerbarer Energien hervorheben (Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg). Thüringen verweist auf Pilotprojekte insbesondere in dezentraler Dimension, und Bayern sowie Brandenburg heben den Aufbau von Regelungen, regulativen Rahmenbedingungen einschließlich Abschreibungen für Elektrolyseure sowie das Einbringen der Landespositionen in nationalen und europaweiten Kommunikationen hervor.