FeministischJa hallo! die Gourmetszene entdeckt die Frauen. Da wage ich mich heute mal weit aus dem Fenster. Auf die Gefahr hin, am Ende ein Kopf kürzer zu sein. Das Thema ist furchtbar groß: alle Welt spricht von feministischer Außenpolitik, von feministischer Wirtschaft und ebensolcher Gesellschaft. Spricht jemand auch von feministischer Küche? Gewiss, Kinder-Küche-Kirche, die Alliteration der drei K's zur Umschreibung der Rolle der Frau: ist Vergangenheit. Oder steckt diese Vorstellung doch noch in uns, möglicherweise unbewusst? Der Kampfbegriff feministisch für eine Küche mit Gerichten einer Frau? Ich sehe schon bildhaft, wie jetzt abgewunken, mit den Augen gerollt wird, auf jenen objektiven neutralen Standpunkt verwiesen wird, von dem aus jede Küche den gleichen Kriterien unterläge. Jaja, klar doch.
Erkennbar wird im Reflex, wie sehr wir herumrudern. Bei Frauen und Küche denkt man entweder an die Küche daheim, die „gutgemeinte“ Hausfrauenküche, oder eine professionelle Köchin kocht - ähm - geschlechtsneutral - im Rahmen der internationalen handwerklichen Standards, versteht sich. Und, jaaa, wieder wird mit den Augen gerollt, abgewunken, diese Standards gebe es gar nicht, sie entwickelten sich doch ständig weiter, und daran habe Jeder, egal welcher Nationalität und welchen Geschlechts, Anteil. Soso.
Vielleicht aber hat sich unbemerkt ein spaltweit die Möglichkeit eingeschlichen, dass frau zu anderen Ergebnissen kommen könnte, andere Sinnzusammenhänge eröffnet, möglicherweise auch andere Gastgeberinnen mit anderen Gästen zusammenbringt. Dann sollte man die Lage gefälligst auch anders betrachten.
Vermutlich ist manch eine Köchin in der Gastrowelt sich dessen gar nicht bewusst und strebt der etablierten Handwerkskunst nach, statt ihre weibliche Erfahrung und ihre eigene Herangehensweise einfließen zu lassen. Die bisher dominierende männliche Gastroküche soll nicht herabgewürdigt werden, erhielte aber durch die bewusste weibliche Perspektive ein relativierendes Korrektiv.
Ich behaupte (okay, der Autor dieser Zeilen ist ein in die Jahre gekommender weißer Mann...): eine feministische Küche wird kommen! Reißt mir den Kopf ab. Oder belächelt es. Das Thema wird dennoch Einiges in Bewegung setzen. Da bin ich mir sicher. Ein Essen jenseits des privaten Küchentisches, fernab vom fastfood und diesseits einer technischen Leistungsshow, die immer ein bißchen was vom Eskapismus eines Autosalons mit sich führt.
Vielleicht wird eines Tages diese (feministische) Tür freudestrahlend aufgehen. Vielleicht ist sie schon auf, und man braucht nur einzutreten.
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