Viel Arbeit für die Kommunen
Reaktionen: Mobilität in unserer Region - "Verkehrswende ist unrealistisch"

Symbolbilder: O|N/Hans-Hubertus Braune
24.10.2023 / REGION - Die Mobilität ist ein viel diskutiertes Thema und die Ideen vielfältig. Vom Elektroauto bis zum Lastenfahrrad oder die Reaktivierung von einst stillgelegten Bahnstrecken. Bestenfalls gelingt eine Verknüpfung. Was in den Großstädten relativ einfach erscheint, ist im ländlichen Raum schwieriger umzusetzen.
Das Land Hessen hat jüngst 35 neue Radwege in ihre Planungen aufgenommen. Schön und gut. Doch bei aller Planungs- und Genehmigungsbürokratie in Deutschland wird es ziemlich sicher mehrere Jahre dauern, bis diese "vordringlichen" Projekte auch tatsächlich umgesetzt werden.
In unserem Artikel "Geht es ohne Auto im ländlichen Raum? - Hessen und die Verkehrswende" haben wir unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, Beispiele zu nennen, wo es gut läuft und wo es hakt. Nachfolgend lesen Sie einige Stellungnahmen:
Ingrid Adolph schreibt zur geschilderten Situation zwischen Unter-Wegfurth und Niederjossa. Hier versuchen die Bürgermeister Heiko Siemon (Schlitz) und Thomas Rohrbach (Niederaula) über die jeweiligen Verkehrsverbünde eine Lösung zu finden. Unsere Leserin schreibt: "Guten Morgen, zum Thema Busverkehr in 36110 Schlitz, OT Unter-Wegfurth bei OSTHESSEN|NEWS. Diese kleine Lücke von circa einem Kilometer zwischen Unter-Wegfurth und Niederjossa endlich mal zu schließen, scheitert ja schon seit Jahr und Tag. Die Schüler hätten so Anschluss zur Schule nach Alsfeld und die Verbindung nach Bad Hersfeld wäre erreichbar. Nur, weil es verschiedene Kreise sind. Dabei ist der Bus jahrelang die Hälfte der Strecke gefahren, um sich am Parkplatz zwischen den beiden Dörfern zu drehen. Da wiehert doch der Amtsschimmel."
Joachim Nophut beschreibt seine Erfahrungen zwischen Großentaft und Fulda: "Ich fahre z. Z. vermehrt nach Fulda zum Dienst und zurück mit dem Fahrrad, einerseits um meinen Körper was Gutes zu tun und andererseits um durch CO2 Einsparung ein Vorbild zu sein. Das Thema Sicherheit auf den Straßen treibt mich um. Folgende Feststellung habe ich gemacht, auch teilweise durch bedrohliche Situationen: Sicherheit für Radfahrer auf öffentlichen Straßen gibt es so weit keine, man ist dem Autoverkehr ausgeliefert. Bei circa 80 Prozent der Autofahrer wird der Abstand zum Radfahrer nicht eingehalten, vielfach unter einem Meter. Teilweise spürt man sogar den Windzug des Außenspiegels eines Autos an seinem Ellbogen, von Abstand kann keine Rede sein. Selbst auf den sogenannten Radschutzstreifen fährt man gefährlich, dieser wird von Pkw-Führern immer öfter missbraucht und benutzt, obwohl man mit dem Fahrrad darauf fährt, eine trügerische Sicherheit.
Ich bin froh, dass ich gute Bremsen habe, die mich schon vor einigen Zusammenstößen bewahrt haben, dazu meine Reaktionszeit, die noch sehr schnell ist. Dabei nützt auch die Kleidung und das Licht bei Dunkelheit wenig, auch die leuchtend gelben Klamotten und Reflexionsstreifen ändern an solchen Gefährdungen wenig. Die einzige Lösung ist, den Verkehrsraum so aufzuteilen, dass durch bauliche Maßnahmen der Radfahrer besser geschützt wird, eine freiwillige Rücksichtnahme auf Rad fahrende Verkehrsteilnehmer funktioniert nicht.
Wie alle anderen freiwilligen Rücksichtnahmen ebenfalls, es lässt sich anscheinend alles nur per Gesetz regeln. Auch einige Rad fahrenden Verkehrsteilnehmer halten sich nicht an die Vorschriften und selten sich auch über Verkehrsregeln hinweg, dass muss auch gesagt werden. Besonders heikle Situationen erlebte ich vielfach in der Stadt Fulda, dort ist es nahezu eine Katastrophe zu fahren, geschweige Radwege zu benutzen.
Viele "Radfahrschutzstreifen", die durch Fahrzeuge in aller Art missbraucht werden, viel zu wenig Radverbindungen innerstädtisch, man meint, die Mobilitätswende ist nur auf Auto umgelegt, für die Radfahrer besteht erheblicher Nachholbedarf. Ähnlich ist es in Hünfeld, bei Straßenkreuzungen von Landesstraßen besteht ein erhebliches Gefährdungspotenzial, besonders im Bereich der alten Brückenmühle (stadteinwärts), wo durch die Radfahrer eine viel befahrene und viel zu schnell befahrene Landesstraße überquert werden muss, um auf eine der Radwegeverbindung (Straße an den Sichengärten) vom Haunetalradweg, auf den Kegelspielradweg zu kommen. Durch Hünfeld durchzufahren, ist für Radfernfahrer ein Fiasko. Ich denke für die Mobilitätswende im Radverkehr war und ist immer genug Geld von der schwarz-grünen Landesregierung bereitgestellt worden, es fehlt an der alleinigen Umsetzung in den Kommunen, besonders in den Union geführten. Leider ist das ein Negativbeispiel auf meiner Radstrecke, wie es anderswo aussieht, kann ich nicht sagen. Mobilitätswende stelle ich mir anders vor.
Ich bin zwar Mandatsträger bei den Grünen im Kreistag und der Marktgemeinde Eiterfeld, aber diesen Artikel sind eigene Erfahrungen mit dem Rad zur Arbeit, (Polizeipräsidium Osthessen), die ich auf circa zwölf Fahrten von Großentaft nach Fulda und zurück, nur morgens in Verbindung mit dem Landeticket, gemacht habe. Ich denke, es ist erheblicher Nachholbedarf, besonders der Städte Fulda und Hünfeld."
Fabian Hartung findet, dass eine Verkehrswende ohne Auto im ländlichen Raum nicht möglich erscheint: "Eine Verkehrswende im ländlichen Raum, die das Auto (vollständig) ersetzt, ist meines Erachtens völlig unrealistisch. Die Flexibilität, die einem das Auto hinsichtlich Fahrt- und Abfahrtszeiten bietet, wird der ÖPNV nie erreichen können, sind aber oftmals unabdingbar. Beispielsweise könnte ich in meinem Fall mit Bus und Bahn frühestens um circa 07:30 Uhr an meinem Arbeitsplatz sein. Frühester Dienstbeginn ist bereits um 07.00 Uhr, was ich folglich nur mit Fahrgemeinschaft oder eigenem Pkw schaffe.
Preislich wäre der ÖPNV durch die von der Allgemeinheit finanzierten Deutschlandtickets und wie sie alle heißen – der ländliche Raum subventioniert hier im Übrigen die "Städter" – zwar mittlerweile wenigstens attraktiv, ohne Anpassung der Taktung (nicht nur 1-stündige Abfahrten) bringt dies dennoch nichts. Eine Anpassung der Taktung bundesweit scheitert aber an zwei Punkten: a) immense Mehrkosten und b) fehlende Busfahrer. Ohne ein passendes Angebot wird aber keine mehrheitliche Nutzung erfolgen und ohne mehrheitliche Nutzung kein passendes Angebot geschaffen. Folglich ein "Teufelskreis". Persönlich sehe ich eine Verkehrswende erst dann, wenn autonomes Fahren etabliert ist und ich für meine Fahrt zur Arbeit, zum Sport etc. einfach per App oder wie auch immer eine Fahrt "bestellen" kann. Hier habe ich flexible Abfahrtszeiten und die Fahrtzeiten dürften je nach tatsächlicher Ausführung vergleichbar mit dem eigenen Pkw sein."
Gerne können Sie uns - wie in den beschriebenen Reaktionen - Ihre sachliche Meinung zum Thema an unsere E-Mail-Adresse redaktion@osthessen-news.de schreiben. Wir freuen uns genauso gerne auf gute Beispiele und vielleicht Konzepte, die wir bisher nicht im Blick haben? (Hans-Hubertus Braune) +++
Geht es ohne Auto im ländlichen Raum? - Hessen und die Verkehrswende