Armut: Jeder Fünfte kann sich keinen Urlaub leisten

Einmal im Jahr eine Woche Urlaub: Für jeden fünften Deutschen ist das unmöglich. Eine Gruppe ist besonders betroffen.

Eine Seniorin sammelt Flaschen.
Eine Seniorin sammelt Flaschen.imago/Schöning

Viele Menschen in Deutschland können sich nicht mal einen einwöchigen Urlaub leisten. Besonders betroffen sind Alleinerziehende. Für Millionen Kinder und Familien bleibe ein Urlaub „nur ein ferner Traum“, kritisiert die Linke.

Mehr als jeder fünfte Mensch in Deutschland (22,4 Prozent) hat zu wenig Geld, um sich einmal im Jahr einen einwöchigen Urlaub zu leisten. Besonders betroffen sind Alleinerziehende, wie aus einer Antwort der europäischen Statistikbehörde Eurostat auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervorgeht, die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Zuerst hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstag) über die Zahlen berichtet.

Bei vier von zehn Alleinerziehenden (42,2 Prozent) reiche das Geld für Urlaub nicht aus, hieß es. Bei Paaren wachse das Armutsrisiko mit der Zahl der Kinder. Von Paaren mit einem Kind könnten sich 18,1 Prozent keinen siebentägigen Urlaub leisten. Bei drei Kindern und mehr steige die Quote auf 29,4 Prozent. Auch fast ein Drittel der Singles könne sich keinen Urlaub leisten. Dies trifft laut den Statistikern auf 30,3 Prozent der alleinstehenden Frauen und 31,7 Prozent der allein lebenden Männer zu.

Das geringste Armutsrisiko haben der Statistik zufolge kinderlose Paare, von denen ein Partner über 65 Jahre alt ist. In dieser Gruppe fehle 15,9 Prozent der Menschen das Geld für Urlaub.

„Sommerferien gleich Reisezeit? Für Millionen Kinder und Familien leider nur ein ferner Traum“, sagte Bartsch dem Redaktionsnetzwerk. Dass vielen Alleinerziehenden und Familien das Geld für die kleinste Reise fehle, zeige den Stellenwert von Kindern und Familien in Deutschland. Es sei zu befürchten, dass die Inflation das Problem noch einmal vergrößern werde.

„Statt fortgesetzter Lohnzurückhaltung brauchen wir in der aktuellen Krise einen kräftigen Schluck aus der Lohnpulle und zeitnah eine Kindergrundsicherung“, forderte Bartsch. Die Daten stammen den Angaben zufolge aus der europäischen Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen für das Erhebungsjahr 2020.