Überschwemmungen in Australien Fluten reißen Menschen und Autos mit

Überschwemmungen in Australien: Fluten reißen Menschen und Autos mit
Foto: PATRICK HAMILTON/ AFPSydney - Die Wucht des Wassers ist enorm: Stundenlanger Sturzregen lässt die Flüsse anschwellen, ein Sturm peitscht das Meer auf, Dämme brechen, Straßen werden in kürzester Zeit zu reißenden Strömen. Weite Teile der australischen Ostküste leiden unter Überschwemmungen.
Zwei Menschen kamen in Queensland ums Leben. Ein 81-jähriger Segler ertrank, nachdem sich seine Yacht vom Anker losgerissen hatte. Ein 27-Jähriger wurde in den Fluten eines angeschwollenen Flusses davongerissen und von der Strömung unter Wasser gezogen.
Die Wetterextreme halten Australien seit Anfang des Jahres in Atem: Nach der Hitzewelle Anfang Januar brach Tropensturm Oswald vergangene Woche über die Küstenregion herein. Seit Tagen peitschen Sturm und Regen über die australische Ostküste, weite Teile stehen unter Wasser. Und es regnet immer weiter.
Hilfe aus der Luft

Überschwemmungen: Australiens Ostküste unter Wasser
Besonders hart wurde Bundaberg von den Fluten getroffen. In der 70.000-Einwohner-Stadt rund 380 Kilometer nördlich von Brisbane wurden die schlimmsten Überschwemmungen seit Beginn der Aufzeichnungen 1893 gemessen. Der Fluss Burnett durchbrach alle Deiche.
Etliche Einwohner Bundabergs hatten die Zerstörungskraft des Wassers unterschätzt und am Sonntag die Aufrufe zur Flucht ignoriert. Am Montag waren ihnen die Fluchtwege plötzlich abgeschnitten. Die einzige Rettung: die Dächer. "Wenn Ihr Haus unter Wasser steht, gehen Sie auf das Dach - wenn es sicher ist", riet Polizeichef Grant Marcus im Fernsehen.
Die Fluten machten es den Rettern unmöglich, die Eingeschlossenen mit Booten zu erreichen. Polizei und Feuerwehr mussten sie mit Hubschraubern in Sicherheit bringen. Das Wasser rauschte mit einer Geschwindigkeit von 75 Kilometern pro Stunde durch manche Straßen.
"Bei der Geschwindigkeit und den steigenden Pegeln bedeutet das, dass ganze Häuser fortgerissen werden können", warnte der Premierminister von Queensland, Campbell Newman. Die Feuerwehr ordnete die Räumung ganzer Stadtteile an. "Dieses Wasser ist eine Katastrophe für die Häuser, vor allem die Holzhäuser", sagte Polizeichef Rowan Bond. "Die Leute sind in unmittelbarer Gefahr."
Feuerwehr warnt: "Bleibt zu Hause"
In Bargara bei Bundaberg rauschten fünf Tornados durch die Straßen. "Wie ein Frachtzug, ein Riesengetöse", sagte Anwohnerin Michelle Cooney im Fernsehen. Auch in Gympie und Maryborough nördlich von Brisbane sowie weiter im Hinterland drohten Dämme zu brechen. In Lockyer Valley westlich von Brisbane wurden Evakuierungen angeordnet. Dort waren 2011 bei den schweren Überschwemmungen 19 Menschen ums Leben gekommen.
Zwei junge Frauen und ein Baby hatten Glück. Sie wurden in ihrem Auto auf einer überfluteten Straße in Biloela plötzlich von den Fluten fortgerissen. In Panik retteten sich die Frauen mit dem Kind auf die Ladefläche des Pick-ups, das Wasser stieg in Minuten bis zu den Fensterscheiben. Die Rettung kam aus der Luft: Eine Hubschrauberbesatzung zog erst das Kind, dann die Frauen mit einer Seilwinde in Sicherheit. "Auf der Gefährlichkeitsskala acht von zehn Punkten", sagte Retter Matt Brandon, der die waghalsige Aktion mit einer Kamera am Helm filmte, später der Lokalpresse. "Bleibt zu Hause, meidet Flüsse, sucht keine Zuflucht unter Bäumen", beschwor ein Feuerwehrmann die Einwohner.
Dreijähriger schwer verletzt
Wer sich nach draußen begibt, begibt sich in Gefahr. Eine Familie mit zwei kleinen Jungen beobachtete am sonst so harmlosen Fluss Kedron Brook fasziniert, wie die Wassermassen vorbeirauschten. Ein riesiger Gummibaum, der sich mit seinen flachen Wurzeln im aufgeweichten Boden nicht mehr halten konnte, stürzte um und traf die Mutter und den dreijährigen Sohn. Der Junge kam mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus.
Die Zwei-Millionen-Stadt Brisbane weiter südlich machte sich auf Hochwasser im Laufe der Woche gefasst. Erinnerungen an Januar 2011 werden wach. Brisbane war von der Jahrhundertflut besonders betroffen. In der Stadt stand das Wasser damals in 20.000 Häusern.
Shiralee Main hatte damals Geld vom Großvater geborgt, um ihr Haus wiederaufzubauen. Es ist noch nicht fertig, und die nächste Flut droht. "Ich bin einfach leer: emotional, physisch, mental. Es tut echt weh. Ich weiß nicht, ob wir noch einmal von vorne anfangen können", sagte sie der "Brisbane Times".